Kerala / Indien

Magisches Kerala – Indien von seiner schönsten Seite

„Das Land der Götter“ – so nennen die Keralites ihre Heimat. Der Grund: Der kleine Küstenstaat ist gesegnet mit einer offenen Gesellschaft, einer berauschenden Biodiversität und faszinierenden kulturellen Traditionen. In unserem Artikel „Magisches Kerala – Indien von seiner schönsten Seite“ gehen wir den Geheimnissen des kleinen Bundesstaats auf den Grund.

Seit Jahren schauen die anderen Bundesstaaten Indiens mit Neid auf Kerala. Friedliche liegt das exotische Stück Land an der Malabarküste im Westen Südindiens. Worin liegen Reiz, Erfolg und Anziehungskraft, die den Küstenstaat von seinen Nachbarn abheben und seit jeher Menschen aus allen Teilen der Welt anlocken?

Der erste Blick geht auf die politische Landschaft. Die Hauptstadt ist Thiruvananthapuram, die früher, etwas eingängiger, Trivandrum hieß. Hier regiert seit gut 40 Jahren fast durchgängig die kommunistisch-marxistische Partei. Sie legte den Fokus auf Bildung, Gesundheit und eine Diversifizierung der Landwirtschaft. Mit Erfolg. In keinem anderen Bundesstaat Indiens ist die Gesundheitsversorgung besser ausgebaut. Auch die Alphabetisierung der Bevölkerung ist hier flächendeckender als im Rest des Landes. Bei einer Landreform kurz nach Ende der Kolonialherrschaft der Briten erhielten zudem weite Teile der Bevölkerung Ackerflächen. Diese prägen auch heute noch das Bild.

Zwischen Einheit und Vielfalt

Die Bedingungen für eine erfolgreiche Politik sind in Kerala, dem „Land der Kokosnüsse“, alles andere als schlecht. Im Gegensatz zu anderen Bundesstaaten ist Kerala sprachlich homogen. Rund 97 % Prozent der Bevölkerung spricht die Hauptsprache Malayalam. Das ist im Vergleich zum linguistischen Wirrwarr im restlichen Indien ein enormer Vorteil.

Aus religiöser Sicht ist Kerala vielfältiger als der Rest Indiens, während in ganz Indien Hindus mit 80% die überragende Mehrheit stellen. Die hierarchische Struktur der Kasten ist hier weit weniger präsent, als beispielsweise im sogenannten Hindu Belt in Zentralindien. Dieser Hierarchie wird häufig nachgesagt, sie würde korrupte Strukturen fördern. Schon seit Jahrhunderten hat Kerala die Weltreligionen angezogen und so leben hier Muslime, Christen und Hindus, die nur 55% der Bevölkerung ausmachen, in inspirierender Harmonie. Die Existenz einer lebendigen jüdischen Gemeinde ist heute leider nur noch an wenigen Spuren zu erkennen. Zu stark wirkte der Ruf aus dem neu gegründeten Staat Israel.

Kerala - Indien: Der Innenraum der Santa Cruz Basilica in Cochin - Zeugnis der langen Geschichte des Christentums in Kerala.

Der Innenraum der Santa Cruz Basilica in Cochin – Zeugnis der langen Geschichte des Christentums in Kerala.


Von natürlichem und kulturellem Reichtum

Kerala ist zudem ein äußerst fruchtbarer Landstrich. Hochwertige Güter wie Kokosnüsse, Bananen, Reis, Tee, vor allem aber hervorragende Gewürze wie Pfeffer, Zimt und Kardamon haben schon immer Händler angezogen – von den Griechen, Römern und  Chinesen über die Perser bis hin zu den Briten. Das spült seit langem Devisen in die Kassen Keralas. Diesen Wohlstand investierten die erfolgreichen Händlerclans in opulente Herrenhäuser, heute begehrte Objekte für elegante Boutiquehotels, von denen es hier mehr gibt als in den meisten anderen Regionen.

Der Wohlstand hat die Künste wie Tanz und Bildhauerei genauso gefördert wie die hervorragende Küche in Kerala. Bester Fisch, frisches Obst und Gemüse und edle Gewürze sind immer hilfreiche Elemente für gutes Essen. In Kerala werden sie zu einem harmonischen Gesamterlebnis.

Kerala und der Kommunismus

Seit Ende der Siebziger Jahre ist das politische Leben in Kerala geprägt von zwei Koalitionen aus dem linken Spektrum der Parteienlandschaft, die sich die Macht im Wechsel teilen. Die Left Democratic Front (LDF) ist vornehmlich geprägt von der Kommunistischen Partei Indiens (Marxisten) und übernahm im Mai 2016 wieder die Macht von der United Democratic Front (UDF), die von der Partei Indian National Congress geführt wird. Die aktuelle Regierungspartei auf Bundesebene, die hindunationalistische BJP, spielt in Kerala kaum eine Rolle. Die Indian Union Muslim League hingegen, und das ist eine Besonderheit für Indien, ist seit den Fünfziger Jahren durchgehend im Landesparlament Keralas vertreten.

Im Land des Überflusses

Dann ist da noch die natürliche Schönheit, bei der man schon von einer Bevorteilung sprechen muss. Zwischen Küste und den Bergwelten der Ghats liegen einige der schönsten Naturreservate und Nationalparks Indiens. Mäandernde Flüsse, Systeme aus verbundenen Seen und dichter Urwald bieten ein Habitat für eine Biodiversität, die es in dieser Ausprägung und gleichzeitiger Zugänglichkeit nur noch selten gibt. So gehört der Gebirgszug der Westghats, der auch weite Teile und einige Bezirke in Tamil Nadu bedeckt, zu einem von weltweit 18 „Hot Spots“, kein Wunder bei rund 2000 höheren Pflanzen, 84 Fischarten, 87 Amphibienarten, 15 Vogelarten und 12 Säugetierarten – allesamt endemisch für die Westghats. Dazu kommen natürlich noch Tier- und Pflanzenarten, die auch in anderen Regionen der Welt beheimatet sind wie etwa der Tiger oder Elefanten.

Elefant in Kerala - Indien

In den weiten Naturreservaten leben viele wilde Elefanten – ein gutes Zeichen für das Ökosystem, aber auch ein Grund zur Umsicht.


Lebensader Keralas – die Backwaters

Doch nirgends wird das Wesen Keralas so spürbar wie in den Backwaters rund um Alleppey. Dieses weit verzweigte Labyrinth aus 44 Flüssen zieht jeden Besucher in den Bann. Nie wird das symbiotische Verhältnis der Bewohner Keralas zu Ihrer Umwelt deutlicher, als dann, wenn die Dorfbewohner nach einer heftigen Überschwemmung ihre Hütten wieder aufbauen. So tun sie es hier schon seit Generationen. Und nirgends wird der ganz eigene Rhythmus dieses göttlichen Landes erlebbarer, als an Bord eines Bootes, das sich seinen Weg durch die Wasserwelt der Kanäle vorbei an schwimmenden Kindern und fischenden Alten bahnt. Die Backwaters sind ein einmaliges Erlebnis: 900 Kilometer verbundener Flüsse, Seen und Lagunen. Allesamt sind sie Heimat einer üppigen tropischen Flora. Und dieses fantastische Naturphänomen lässt sich auch noch ganz wunderbar erkunden. Viele Hotels an den Ufern bieten Tagestouren mit kleineren Motorbooten oder Kanus an. Zu den außergewöhnlichsten Unterkünften in Südindien gehören die Hausboote, elegant umgebaute Reisbarken mit meist mehreren Zimmern und einer Crew aus Kapitän und Koch. 

Die Backwaters rund um Alleppey sind ein aktiver Lebens- und Wirtschaftsraum für die Menschen Keralas.

Die Backwaters rund um Alleppey sind ein aktiver Lebens- und Wirtschaftsraum für die Menschen Keralas.

Anreise nach Kerala – Indien

Nach Kerala gelangen Sie am besten über die internationalen Flughäfen in Cochin und Thiruvananthapuram. Die komfortabelsten Verbindungen bieten derzeit die Fluglinien Emirates, Qatar und Etihad. Kerala lässt sich zudem hervorragend mit anderen Regionen verbinden, z.B. mit einer Rundreise von Tamil Nadus Koromandelküste bis zur Küste Keralas. Mit einem kurzen Inlandsflug sind aber auch die anderen Regionen Indiens erreichbar. Eine Kombination, z.B. mit Rajasthan, ist also leicht machbar, sehr zu empfehlen und wir organisieren das sehr gerne.

 

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