Kultur & Natur / Laos

Im Bann des Mekong Delta

Schon seit Jahrtausenden ist der majestätische Mekong Zeuge mächtiger Reiche, aber auch deren Zerfalls. An seinen Ufern sind einflussreiche Zivilisationen entstanden und zugrunde gegangen. Hier begründeten Herrscher ihre Dynastien, um wieder von anderen besiegt zu werden. In seinen Tälern haben sich Bergvölker niedergelassen und sein fruchtbares Delta ernährt heute noch Millionen.


Der Strom, der Südostasien prägt

Mit seinen mehr als 4000 Kilometern Länge ist der Mekong die Lebensader Südostasiens. Der sagenumwobene Strom hat seinen Ursprung im Hochland von Tibet und fließt quer durch die südostasiatische Halbinsel bis zur Mündung im Südchinesischen Meer.

Unterwegs bilden die Gewässer im sogenannten Goldenen Dreieck, dem Siedlungsgebiet der Bergvölker Südostasiens, die Grenze zwischen Myanmar, Thailand und Laos. Diese Gegend war im 20. Jahrhundert als Hauptanbaugebiet des Schlafmohns berüchtigt und lieferte nicht nur in die benachbarten Länder.

Der Mekong dient auch als wichtige Handelsroute zwischen den Anrainerstaaten des Flusses.

Der Mekong dient auch als wichtige Handelsroute zwischen den Anrainerstaaten des Flusses: Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam.


Laos Lebensader

Unbeeinflusst davon fließt der Mekong weiter nach Laos und prägt mit seinen verwunschenen Tälern nicht nur die Landschaft, sondern auch das Leben der Laoten. Besonders auf einer Flusskreuzfahrt können die wildromantische Landschaft und die ursprüngliche Lebensweise der Bergvölker aus erster Hand erlebt werden. Hier, am Ufer des Mekongs, wurde vor über 600 Jahren Laos, das Land der eine Millionen Elefanten, gegründet. Die Königsstadt Luang Prabang, umgeben von paradiesischen Landschaften, bildete schon immer das kulturelle und politische Zentrum des Landes.

Am Ufer des Mekong siedeln sich schon seit Jahrhunderten Menschen an. Aus einigen Siedlungen sind Metropolen geworden, andere sind klein und ursprünglich geblieben.

Am Ufer des Mekong siedeln sich schon seit Jahrhunderten Menschen an. Aus einigen Siedlungen sind Metropolen geworden, andere sind klein und ursprünglich geblieben.


Die fließende Grenze zu Thailand

Weiter südlich bildet der Mekong wieder für Hunderte von Kilometern die Grenze zwischen Thailand und Laos. Dieser Teil des Stroms ist kaum besiedelt, dadurch noch immer wild und ursprünglich. Naturschutzgebiete mit Karstfelsen, Wäldern und Grotten prägen das Bild. Auf der Ostseite fließt eine Flussader durch die Höhle Kong Lor und bildet einzigartige Stalaktiten und Stalagmiten. Auf der thailändischen Westseite befindet sich die von tiefem Wald bedeckte Region Isan.


Ein Delta mit hundert Armen

Bald bricht der Fluss in Hunderte von Strömen auf und bildet Tausende von kleinen Inseln in Südlaos, bevor die Sambor-Wasserfälle die natürliche Grenze zu Kambodscha bilden. In Kambodscha ergibt sich aus dem Zusammenfluss des Mekong und des Wassers des Sees Tonle Sap ein einmaliges geografisches Phänomen: in der Regenzeit erhöht sich das Wasservolumen im Mekong mannigfaltig und Wasser drängt in den Tonle Sap zurück, sodass der Tonle Sap seine Richtung ändert. Erst wenn der Mekong nach dem Monsun seine Wassermengen reduziert hat, dreht sich die Ausrichtung des Tonle Sap wieder Richtung Meer. In dieser Region entwickelte sich zwischen dem 9. und dem 13. Jahrhundert das mächtige Khmerreich. Es hat seine ewigen Spuren in Form der faszinierenden Tempelanlagen von Angkor hinterlassen.

Die 4000 Inseln bei Champasakk

Bei Champasak ist der Mekong zerklüftet und bildet mit seinen Armen angeblich 4000 Inseln.

Der Strom kennt keine Grenzen, er fließt unbekümmert nach Vietnam, wo er mit seinen Armen Hunderte von Kilometern breit wird und das fruchtbare Mekong Delta bildet. Dieses dicht besiedelte und ertragreiche Gebiet gilt als die Reisschale Vietnams. An dem Zwillingsfluss Saigon erhebt sich wuchernd die pulsierende vietnamesische Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt.


Mündung im Südchinesischen Meer

Am Ziel angelangt, mündet der Mekong in einem Netz von Flussarmen ins Südchinesische Meer. Weiß der Mekong, welche Macht und welchen Einfluss er auf das Leben der Menschen und ihre Dynastien ausgeübt hat? Trägt er die Weisheit der Völker mit sich und begnadigt er ihre Sünden? Mekong – diese Wiege der Kulturen und die Mutter der südostasiatischen Gewässer – hat bisher schon Hindus, Buddhisten, Champa, Khmer, Tibeter, Chinesen, Laoten, Birmanen, Thailänder und Vietnamesen ernährt. Heute drohen aber Modernisierung und Technologie, sowohl den Mekong als auch das Leben der Völker an seinen Ufern unwiederbringlich zu verändern. Der majestätische Fluss, der seit Jahrtausenden seinen Anrainern Nahrung bringt, braucht heute unseren Schutz vor Verschmutzung und Ausbeutung.