Kultur / Südindien

Land und Leute in Südindien

Südindien, also grob die Region des Dekkan Plateaus, zwischen dem Arabischen Meer im Westen und dem Golf von Bengalen im Osten gelegen, ist eine bunte Mischung aus antiken Tempelstädten, enormen Biosphären, malerischen Küstenstreifen und hohen Gebirgszügen. Mit rund 250 Millionen Einwohnern und einem immensen kulturellen Reichtum bietet die Region eine Fülle von attraktiven Reisezielen, interessanten Lebensformen und ist ein Mosaik aus diversen Kulturen und Sprachen. Die Tatsache, dass hier ganz hervorragend gegessen wird, macht eine Reise zu einem Fest für alle Sinne.

Zu den ersten Dingen, die einem in Südindien auffallen, gehört die unbekümmerte und offene Freundlichkeit der Menschen, die auch Fremden unvoreingenommen entgegentreten – vielleicht ein Resultat der vielen Einflüsse aus den vergangenen Jahrhunderten. Die überwiegende Mehrheit der Menschen in Südindien ist, wie auch im Rest des Landes, hinduistischen Glaubens. Traditionen, die meist in einem religiösen Zusammenhang stehen, werden mit Hingabe gepflegt. Klassische, Jahrhunderte alte Tänze wie Bharat Natyam oder Kuchipudi werden in Akademien unterrichtet.  Pilger strömen in die heiligen Stätten von Madurai, Thanjavur und Kanyakumari oder ziehen von Ashram zu Ashram. Ayurveda, die ganzheitliche Gesundheitslehre, wird heutzutage genauso praktiziert wie die antike Bewegungslehre Yoga. Tempelbesuche, die Teilnahme an spirituellen Zeremonien und eine Auseinandersetzung mit diesen antiken Traditionen ist wohl nirgends leichter zugänglich als im Süden Indiens.

Sprachlich ist Südindien nicht weniger divers als der Rest Indiens, auch wenn sich die Menschen der fünf Bundesstaaten, die Südindien bilden, auf nur fünf Verkehrssprachen geeinigt haben. Die Liste kleinerer Regionalsprachen ist aber lang.

Geographie

Geographisch ist Südindien einerseits geprägt von den Küstengebieten des Golfs von Bengalen sowie von denen des Arabischen Meers. Diese Lage hat die Entwicklung der Region auf mehrere Arten auch kulturell geprägt. Allem voran sind durch diese exponierte Position schon immer Menschen anderer Kulturkreise nach Südindien gekommen, sei es um Handel mit den hervorragenden Produkten der Spice Coast  zu treiben, den kulturellen Austausch zu suchen oder auch die Herrschaft über das wertvolle Gebiet zu gewinnen.

Parallel zur Küste am Arabischen Meer erhebt sich der Gebirgszug der Westghats, der einerseits das Klima Keralas maßgeblich beeinflußt und andererseits eine wahre Schatztruhe für die Entwicklung der Biodiversität darstellt. Ausgedehnte Schutzgebiete sorgen dafür, dass diese bestehen bleibt.

Im Osten bilden die Ostghats die Abgrenzung zum Meer und trennen die Koromandelküste vom Rest Südindiens. Die Nilgiri-Berge verbinden die beiden Gebirgszüge im Zentrum der südindischen Halbinsel.

Geschichte

Spuren menschlicher Existenz lassen sich in Südindien auf 8000 v. Chr. datieren, demnach wurde die Region seit dieser Zeit bevölkert.

Erstaunlich ist, dass der Handel über die Seidenstraße mit den Phöniziern, Römern und Griechen schon im 3. Jahrhundert v. Chr. betrieben wurde und die Zeiten, Herrscher und Dynastien bis heute überdauert hat. So liegt in der keralischen Stadt Cochin auch heute noch einer der wichtigsten Häfen Indiens.  

Die Kolonialgeschichte Südindiens beginnt im 15. Jahrhundert mit der Landung Vasco Da Gamas an der Küste Keralas, der voll beladen mit Gewürzen nach Lissabon zurückkehrte. In der Folge errichteten die Portugiesen und Franzosen ebenso Handelsniederlassungen wie die Ost-Indien-Kompanien der Niederländer und der Briten. Letztere behaupteten am Ende ihre Vormachtstellung, bauten sie zur Herrschaft über den größten Teil des heutigen Indiens aus und blieben bis zur hart erkämpften Unabhängigkeit Indiens unter der Führung Gandhis und Nehrus am 15. August 1947.

Die Region heute

Die Staaten Südindiens, allen voran Kerala, stehen heute besser da als ihre Gegenstücke im Norden Indiens, aus politischer, wirtschaftlicher und sozialer Sicht. Das lässt sich an Merkmalen wie höherer Lebenserwartung, Alphabetisierungsrate und wirtschaftlicher Entwicklung recht deutlich festmachen. Das wichtigste Zentrum des wirtschaftlichen Aufschwungs und Musterstadt des modernen Indiens ist die IT-Hochburg Bangalore. Aber auch Städte wie Hyderabad oder Chennai bemühen sich, teils mit beachtlichem Erfolg, High-Tech-Unternehmen in ihre Regionen zu locken.

Trotz aller Modernisierung, fast flächendeckendem Mobilfunkempfang und Internet, ist die große Mehrzahl der Bevölkerung vergleichsweise traditionell eingestellt und etwa arrangierte Ehen sind noch immer weitaus häufiger als sogenannte „Love marriages“.

Essen & Trinken

Mehr noch als im Rest Indiens ist Reis das Grundnahrungsmittel schlechthin in Südindien und wird meist zusammen mit verschieden, immer gut gewürzten Currys gegessen wird.

In den Küstenregionen Keralas wird häufig Fisch gegessen, in Tamil Nadu ist die Küche hingegen vorwiegend vegetarisch, aber dabei unglaublich vielfältig und schmackhaft, so dass auch der leidenschaftlichste Fleischesser kaum etwas vermissen wird. Rind oder Schwein wird in ganz Indien ohnehin so gut wie nicht angeboten – aufgrund religiöser Sensibilität.

Ein klassisches Gericht in Südindien ist das Thali,  was schlicht Teller bedeutet. Dieser Teller ist für gewöhnlich bestückt mit Reis, frittiertem Fladebrot (Puri) verschieden Currys und etwas Joghurt, um die Schärfe abzumildern. Diese Mahlzeit ist sehr empfehlenswert, da man so gleich mehrere Gerichte kosten kann.

Weitere absolut empfehlenswerte Klassiker sind Masalla Dosa, eine Art gefüllter, herzhafter Pfannkuchen, die kleinen Reisklößchen Idli,  die knusprigen Malabari Paratha mit einem aromatischen Fischcurry sowie in Andhra Pradesh der berühmte Hyderbadi Byriani.

Feste

Die Menschen in Südindien finden gerne Gründe zum Feiern und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Sie während eines Feiertags auf Reisen sind – eine echte Bereicherung an Erfahrungen.

  • Onam ist das wichtigste – obwohl säkulare Fest der Menschen in Kerala, an dem der Ernte gedankt wird. Daher findet es zur Erntezeit zwischen August und September auf den Straßen und in den Häusern Keralas statt.
  • Pongal ist der Name des Erntedankfests in Tamil Nadu, findet aber an vier Tagen im Januar statt.
  • Ein absolutes Spektakel mit riesigen Figuren, Elefantenparaden und Scharen von Gläubigen ist das Pooram Fest, das in mehreren Städten Keralas im April gefeiert wird. Am größten wird das Pooram Fest in der Tempelstadt Thrissur gefeiert.

Tipps und Verhaltensweisen

Die Menschen in Südindien sind tolerant und freundlich. Aber auch hier gibt es einige Verhaltensweisen, die nicht besonders geschätzt oder gar als unangenehm empfunden werden.

Wie in ganz Indien gelten Schuhe als unrein. Achten Sie also darauf, Ihre Schuhe oder Sandalen bei allen Tempeln vor der Eingangspforte abzugeben oder in einen mitgebrachten Beutel zu stecken. Auch in Wohnhäusern sollte man die Schuhe ausziehen, wenn die Gastgeber dies auch tun.

Ebenfalls als unrein gilt die linke Hand, die in Indien lediglich der Körperreinigung dient. Daher sollten Speisen, wenn möglich, nicht mit der linken Hand berührt werden, besonders wenn Sie zum Beispiel ein Brot mit anderen Menschen am Tisch teilen, wie es in Indien häufig vorkommt. Meist bleibt die linke Hand bei Indern unterhalb der Tischkante.

Bei Männern in Städten ist es mittlerweile nicht unüblich, sich die Hand zu schütteln, in kleineren Städten und in traditionellen Familien jedoch nicht, besonders nicht für Frauen. Der Namaste-Gruß ist in ganz Indien verbreitet. Hierbei werden die zusammengelegten Hände vor das Gesicht gehalten.

Zärtlichkeiten, auch zwischen verheirateten Menschen, gelten in der Öffentlichkeit als unpassend und anstößig.