Kultur / Indien

Land und Leute in Indien

Indiens Geschichte und Kultur, seine gesellschaftlichen Dynamiken und zukünftigen Herausforderungen lassen sich hier nicht zusammenfassen. Zu groß ist die Vielfalt und die Komplexität der Zusammenhänge. Wir können aber einen Überblick bieten, der Ihnen als Einstiegshilfe in dieses enorme Land helfen soll und Inspiration für weitere Lektüre bieten kann.

Als Veranstalter von Reisen haben wir natürlich einen touristischen Blick auf Indien, auch wenn wir immer versuchen, uns von diesem soweit es geht zu lösen.

Die bekannteste und am häufigsten besuchte Region Indiens ist das sogenannte “Goldene Dreieck”, in dem fast gleich lange Strecken die Städte Delhi, Agra und Jaipur miteinander verbinden. Diese drei Städte an sich beinhalten schon so viel kulturelle Vielfalt – von der größten Moschee Südasiens über das sagenumwobene Taj Mahal bis zu majestätischen Forts und Palästen – dass andere Regionen es schwer haben, etwas Vergleichbares entgegenzusetzen.

Jaipur wiederum ist das Tor zu Rajasthan, diesem packenden “Land der Könige”, das mit Palästen, kleinen Herrenhäusern, Wüstenforts und toller Natur nur so auftrumpft. Städte wie Udaipur, Jodhpur und Jaisalmer sind am bekanntesten, die kleinen Orte sind aber auch hier echte Stars und gehören unbedingt auf Ihren Reiseplan, wenn die Zeit es Ihnen erlaubt.

Ganz im Norden entwickelt sich Ladakh immer mehr vom Geheimtipp zum Hotspot für Reisende. Das “Tibet Indiens” ist mittlerweile entsprechend gut angebunden und erschlossen, aber immer noch wahnsinnig authentisch, verschroben und unbeschreiblich schön.

Der Nordosten Indiens ist durch Namen wie Darjeeling und Assam zwar weltweit bekannt, als Reiseziel aber immer noch verschont geblieben vom Massentourismus und den damit zusammenhängenden Entwicklungen. Hier kann man wirklich noch auf Entdeckungstour gehen, indigene Stämme kennenlernen und eine irrsinnig schöne Landschaft im Schatten des Kangchendzönga, dem dritthöchsten Berg der Welt, entdecken, dazu eine der eigenwilligsten Städte Indiens, Kalkutta. Sehr gut lässt sich eine Reise in den Nordosten auch mit einem Besuch Varanasis verbinden, dieser nicht immer leicht verdaulichen Hauptstadt des Hinduismus.

Die Ostküste Indiens gehört zu den am seltensten bereisten Regionen des Landes, was wir gerne ändern würden. Hier sind indische Touristen weitgehend unter sich, wenn sie zu einigen der interessantesten Tempelstädte des Hinduismus, wie Puri und Bhubaneshwar, pilgern. Auch die Badeorte an der Küste sind geprägt vom inländischen Tourismus, mit all seinen, für uns bizarren, Ausbildungen.

Weiter südlich schließt sich die Koromandelküste des Bundesstaates Tamil Nadu an, das zusammen mit Kerala das Herz Südindiens bildet. Von den antiken Tempeln in Mahabalipuram über die lebendigen Tempelstädte Chidambaram und Thanjavur bis nach Madurai, Ort des berühmten Meenakshi Tempels, lässt sich hier, wie in kaum einer anderen Region, die Spiritualität und damit das Wesen Indiens hautnah erleben.

Entlang der wunderschönen Malabarküste im Südwesten Indiens erstreckt sich das “Land der Kokospalmen” Kerala, berühmt für den Gewürzhandel seit Jahrhunderten, die Backwaters bei Alleppey und traumhafte Mittelgebirgslandschaften der Westghats mit einer enormen Artenvielfalt und einer hohen Dichte an Nationalparks und Naturreservaten.

Verfolgt man die Küste in nördlicher Richtung, erreicht man Goa, früher Hippieparadies und heute Treffpunkt auch für angepasstere Urlauber aus aller Welt. So sehr Goa sich entwickelt hat, gibt es immer noch wunderschöne urige Ecken, kilometerlange Strände und tropisches Hinterland, das sich sehr gut erkunden lässt.

Zentralindien wird meist von naturinteressierten Reisenden besucht, da hier mit Kanha, Pench, Tadoba und Bandhavgarh einige der größten Nationalparks Südasiens liegen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit den Bengalischen Tiger in seinem natürlichen Habitat beobachten zu können, größer als irgendwo anders.

Unsere Rundreise durch die Regionen endet in Mumbai, der Weltstadt Indiens und ein interessantes Sammelsurium aus Malochern und Megareichen, Glücksrittern und Intellektuellen, der Tradition und der Moderne, wobei Letzteres hier, mehr als in irgendeiner anderen Stadt, die Oberhand gewonnen hat.

Gegensätze erleben

Wie schon angedeutet, ist die Dichotomie zwischen Tradition und Moderne ein bestimmendes Thema der indischen Lebenswirklichkeit und eines der Merkmale, die man mit Indien zurecht am meisten verbindet. Tiefe Religiosität, eine tradierte Rollenverteilung, das Kastenwesen, Aberglaube, mittelalterliche Arbeitsmethoden und Rituale sind in Indien genauso wenig Randerscheinungen, wie Zentren der Informationstechnologie, selbstständige Frauen und westlicher Lebensstil. Diese zwei gegensätzlichen Pole prallen in Indien mit voller Wucht aufeinander. Dass sich daraus auch Probleme ergeben, klingt wie eine Binsenweisheit. Andererseits liegt darin auch eines der Geheimnisse, einer der zentralen Reize des indischen Subkontinents. Wenn man Indien bereist, wird man unweigerlich damit konfrontiert, wie Inder ihre Leben besonders in den urbanen Zentren zwischen Tradition und Moderne manövrieren.

Ein weiterer frappierender Kontrast liegt zwischen dem Reichtum einer kleinen Gruppe und den häufig sehr bescheidenen Umständen, in denen ein großer Teil der Bevölkerung lebt. So ist es auf indischen Straßen überhaupt nicht ungewöhnlich, dass ein Luxusschlitten mit dem von Hand geschobenen Lastenkarren um ein Vorwärtskommen im Stau der Rush Hour kämpft. Auch die Zahlen sind wenig positiv: Laut übereinstimmenden Berichten, liegen rund 60 Prozent des privaten Besitzes in Indien in den Händen von einem Prozent der Bevölkerung während immer noch rund 20 Prozent der indischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben. Doch immer mehr Menschen schaffen den Sprung in die Mittelschicht, die in Indien stetig wächst.

Das Land der Weltreligionen

In kaum einem anderen Land spielt Religion eine ähnlich bedeutende Rolle wie in Indien und das nicht aus geschichtlicher Sicht. Auch heute noch sagen mehr als 90 Prozent von sich selbst, religiös zu sein.

Neben der Mehrheitsreligion Hinduismus, der, je nach Region, zwischen 70 und 80 Prozent der Menschen angehört, sind auch die Weltreligionen Buddhismus, Jainismus und Sikhismus, deren männliche Anhänger durch die langen Bärte und Turbane auszumachen sind, in Indien entstanden. In Indien lebt zudem die drittgrößte muslimische Gemeinde der Welt mit rund 170 Millionen Anhängern und einer der größten Moscheen der Welt, der Jama Moschee in der Altstadt von Delhi.

Christen sind zwar eine sehr kleine Minderheit, in Indien aber in fast jeder Region zu finden und haben sich besonders im Bereich der Bildung einen bedeutenden Namen gemacht. Die meisten bekannten Schulen, Colleges und Internate werden von Ordensbrüdern geführt oder wurden zumindest von diesen gegründet.

In Kerala gibt es zudem auch eine kleine jüdische Gemeinde, deren Mitgliederzahl jedoch rückläufig ist.

So friedlich das Zusammenleben und so beeindruckend dieses Mosaik der Religionen auch meist ist, so kann die Existenz von Spannungen, besonders zwischen Hindus und Muslimen, in den 80er Jahren aber auch zwischen Hindus und Sikhs, nicht ignoriert werden.

Kultur zwischen Bollywood und Bharata Natyam

Wer schon einmal einen Bollywoodfilm geschaut hat, weiß, dass sie zum einen ein gehöriges Maß an Sitzfleisch erfordern, zum zweiten zu einem großen Teil aus für unsere Ohren schnulzigen Songs und ebenso kitschiger Choreografie bestehen und zum dritten meist eine sehr klare Sicht auf Gut und Böse, Richtig und Falsch haben. Das mag nicht jedermanns Sache sein, eine gute Vorbereitung auf eine Indienreise sind sie aber dennoch, da die Verhaltensmuster, die Wertvorstellungen und auch die Ideale von Schönheit und Tugend durchaus ein Spiegel der Gesellschaft Indiens sind. Zudem sind die Shah Rukh Khans, Amitabh Bhachans und Kajols wahre Ikonen der Popkultur in Indien und werden über alle Maße verehrt. In diesem Punkt ein wenig mitreden zu können, sorgt immer für positive Reaktionen.

Gleichzeitig werden auch die klassischen Künste Indiens noch immer liebevoll gepflegt und gelebt. Klassische indische Tänze wie Bharata Natyam, Odissi, Kathak oder Kuchipudi locken auch heutzutage genauso junge Menschen in die altehrwürdigen Hochschulen für Künste, wie Unterricht an den klassischen Instrumenten wie der Trommel Tabla oder der Sitar und im Gesang. Ein Besuch häufig stattfindender Konzerte oder Aufführungen ist sehr zu empfehlen, z. B. im schönen Kamani Auditorium in der Innenstadt von Neu Delhi.

Ein Land – Hundert Sprachen

Die Zeit, in der man gefragt wurde, ob man “Indisch” spricht, ist weitestgehend vorbei. Zu sehr hat sich die linguistische Vielfalt Indiens auch bei uns herumgesprochen. Die indische Regierung geht von 122 Sprachen und 544 Dialekten aus, wobei die Kategorisierung auch unter Linguisten nicht unumstritten ist.

Wenn es jedoch eine Sprache gibt, die am ehesten der Bezeichnung “Indisch” entspricht, dann ist es die Sprache Hindi, die von etwa 400 Millionen Indern in Nord- und Zentralindien gesprochen wird, auch in der indischen Hauptstadt Delhi. Das Schriftbild ist gut zu erkennen an den Buchstaben, die von links nach rechts an einer Linie hängen, ähnlich wie Kleidung von einer Wäscheleine.  

Weitere wichtige Sprachen sind das Marathi im Westen um Mumbai, das Odia im Osten, Tamil im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu und das Malayalam in Kerala.

Die Tatsache, dass seit der Kolonialherrschaft der Briten, Englisch zumindest in den urbanen Zentren weit verbreitet ist, macht es Reisenden leichter, auch einmal etwas tiefer gehende Gespräche zu führen.

Essen & Trinken

Die Essgewohnheiten in einem enormen Land wie Indien variieren natürlich erheblich, je nach Region, ethnischer Gruppe und sogar Beruf und Religion. So essen die meisten Hindus in Indien nur vegetarische Gerichte, was traditionell auch Eier ausschließt. Milchprodukte hingegen sind ein genauso wichtiger Bestandteil der vegetarischen Küche wie proteinreiche Hülsenfrüchte, also Linsen, Bohnen oder Kichererbsen, was für alle Regionen gilt. Dieser Tradition verdankt Indien eine enorme Vielfalt an tollen vegetarischen Gerichten, von denen Europäer, die sich fleischlos ernähren möchten, nur träumen können.

International noch bekannter ist die Küche, die von den muslimischen Moguln in Indien eingeführt und im Laufe der Jahrhunderte immer weiter verfeinert wurde. Gerichte der sogenannten “Mughlai Cuisine” wie Lamm Rogan Josh, Tandoori Huhn und verschiedene Kebaps werden auch heute noch fast ausschließlich in muslimischen Restaurants oder Hotels zubereitet sowie natürlich auf den Straßen der Altstädte von Delhi, Agra, Jaipur oder Hyderabad. Nähere Informationen zu den kulinarischen Besonderheiten finden Sie unter den Seiten zu Nord- und Südindien.

In ganz Indien wird mit der Hand gegessen, ganz gleich, ob man die Gerichte mit Reis oder mit Brot isst, was natürlich auch für uns etwas einfacher ist. Wichtig dabei ist, dass Speisen nur mit der rechten Hand angefasst werden, da die linke Hand als unrein gilt.

Wenn Inder in einer Gruppe in ein Restaurant gehen, wird meist eine Reihe von Gerichten bestellt, die dann in der Runde geteilt werden. Brot, wie zum Beispiel das hervorragende Nan oder Chapatis, wird meist nach und nach hinzu bestellt, damit es stets frisch gegessen werden kann.

Zu allen Tageszeiten wird in Indien Masalla Chai, meist nur Chai genannt, getrunken, also süßer Milchtee, häufig versetzt mit Gewürzen wie Kardamom, Ingwer, Zimt, Nelken und Muskat. Wenn Sie in Indien Tee ohne Milch möchten, sollten Sie dies immer spezifizieren (z. B. Black Tea, Green Tea, etc.).

Ein sehr beliebtes und erfrischendes Getränk ist das sogenannte “Fresh Lime Soda”, also Sprudelwasser mit frisch gepresster Limette. Viele Inder trinken das Getränk allerdings mit Salz oder sogar Schwarzsalz, auf Hindi “Kala Namak”, das aufgrund seines schwefeligen Geruchs für Nicht-Inder sehr gewöhnungsbedürftig ist. Unsere Empfehlung: bestellen Sie Fresh Lime Soda “Plain”, also ohne alles und fügen Sie nach Geschmack Zucker hinzu.

Alkohol wird zwar traditionell nur in wenigen Regionen hergestellt, wie z.B. der Palmwein Toddy, mittlerweile gehören alkoholische Getränke, vor allem Whiskey und Bier, aber zu vielen privaten Feiern bei der Mittel- und Oberschicht. Eine Flasche Wein ist aber nur als Gastgeschenk sinnvoll, wenn Sie wissen, dass dies in der gastgebenden Familie auch akzeptiert wird.

Wichtige Feste in Indien

So vielfältig wie das Land, seine Menschen und Religionen sind auch Indiens Feste. Sie sind eines der verbindenden Elemente des Subkontinents und bieten einmalige Einblicke – mal ausgelassen fröhlich, mal tief spirituell. Hier liefern wir nur eine kleine Auswahl. Wenn es an die Planung Ihrer persönlichen Rundreise durch Indien geht, werden wir uns dann im Detail mit dem Terminplan der vielen Feste beschäftigen.

  • Holi ist ein buntes Farbenfest im März, um den Sieg des Guten über das Böse sowie das Ende des Winters zu feiern. Es liegt meist im März oder April damit noch in der angenehmen Jahreszeit für Reisen nach Nordindien.
  • Das Hemis Fest ist eines der größten buddhistischen Klosterfeste Ladakhs und findet alljährlich im Juni im Kloster Hemis statt. Das wunderbar farbenfrohe und fröhliche Fest findet immer im Februar oder März statt, also ideal, um es mit einer ausgiebigen Rundreise durch die höchste Region Indiens, Ladakh, zu verbinden.
  • Der Tag des Dusshera Fests stellt den Höhepunkt zehntägiger Feierlichkeiten in hinduistischen Familien da, immer im September-Oktober. An Dusshera werden in ganz Nordindien riesige Figuren aus Pappmache und Stroh verbrannt. Schon den ganzen Tag über herrscht in den Vierteln der Städte eine inspirierende Betriebsamkeit. Sie mündet am Abend in kulturellen Auftritten auf öffentlichen Plätzen, um dann schließlich in dem symbolischen Verbrennen des bösen Dämons Ravanna zu kulminieren.
  • Diwali, das wichtigste aller hinduistischen Feste, erstreckt sich über fünf Tage, jedes Jahr zwischen Oktober und November. Besonders in Nordindien läutet es daher den Beginn der kühleren Jahreszeit ein. Wegen angebrachter Beleuchtungen an Häusern und ausgiebigem Feuerwerk in der Nacht wird Diwali auch Fest der Lichter genannt. Da Diwali in hinduistisch geprägten Ländern und Regionen gefeiert wird, sind die Rituale vielfältig, die Bedeutung des Lichtes ist aber überall stark sichtbar.
  • Auf der “Pushkar Camel Fair” werden jedes unter anderem 50,000 Kamele feilgeboten und der ansonsten beschauliche Wüstenort Pushkar platzt aus allen Nähten. Daher planen wir in dieser Zeit auch eher Tagesausflüge von nahen Orten aus, anstelle von Übernachtungen. Der einmalige Markt ist aber ein unvergessliches Erlebnis und sollte, falls zeitlich möglich, auf jeden Fall bedacht werden. Besonders ambitionierte Fotografen finden hier eine unvergleichliche Fülle an Fotomotiven.
  • Onam ist das wichtigste – obwohl säkulare – Fest der Menschen in Kerala, an dem der Ernte gedankt wird. Daher findet es zur Erntezeit zwischen August und September auf den Straßen und in den Häusern Keralas statt.
  • Pongal ist der Name des Erntedankfests in Tamil Nadu, findet aber an vier Tagen im Januar statt.
  • Ein absolutes Spektakel, mit riesigen Figuren, Elefantenparaden und Scharen von Gläubigen ist das Pooram Fest, dass in mehreren Städten in Kerala im April gefeiert wird. Am größten wird das Pooram Fest in der Tempelstadt Thrissur gefeiert.